„Jung, grün, stachelig“. So charakterisiert sich die „Grüne Jugend“ selbst. Künftig will die Jugendorganisation der Partei Bündnis 90/Die Grünen auch im Landkreis Lindau mitmischen. Darum haben neun junge Leute am Sonntagabend in Heimenkirch einen Kreisverband Lindau/Westallgäu gegründet. Zur Sprecherin wählten sie Maria Kempter aus Heimenkirch, zum Sprecher Johannes Weißenborn aus Lindau.

Etwa 40 Gäste interessierten sich für die Gründungsversammlung im Paul-Bäck-Haus, die dank der Kemptener HipHopper „Studio 83″ alles andere als trocken verlief. Mitglieder der Grünen Jugend gibt es im Landkreis schon geraume Zeit. Sich als Kreisverband zu organisieren war indes mit viel Überzeugungsarbeit und Aufwand verbunden, schilderte Serhat Yapracki, einer der Hauptinitiatoren.

Der 31-jährige Heimenkircher selbst ist kein Mitglied mehr, weil bei der Grünen Jugend das Höchstalter 28 Jahre konsequent eingehalten wird. Die Organisation versteht sich als eigenständig, dementsprechend unabhängig von den Landkreisgrünen haben die politischen jungen Leute die Gründung in die Hand genommen.

Zwei Jahre arbeitete Serhat Yapracki darauf hin. Er halte es für extrem wichtig, dass junge Menschen in der Politik Verantwortung übernehmen, sagte Yapracki – und sei es in der Jungen Union: „Es wäre grundsätzlich nicht schlecht, wenn die Greise aus den Führungsetagen verschwinden würden.“

Mit der Planung einer ersten Aktion im Landkreis ist die Grüne Jugend bereits beschäftigt. Das verrieten Maria Kempter und Johannes Weißenborn. Bei der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen, die am 19. und 20. Oktober in Lindau stattfindet, wird sie auf jeden Fall mitmischen, deuteten die beiden an.

Auch in der Partei „stachelig“?

In der Partei will sich die Jugendorganisation „mit unserer eigenen Art“ einbringen, sagte Maria Kempter. Auf die Frage, ob sie denn auch innerhalb der grünen Bewegung „stachelig“ auftreten werden, sagte Johannes Weißenborn: „Wir suchen nicht die Konfrontation mit den Altgrünen – aber wir scheuen sie auch nicht.“

Ihre Wertschätzung gegenüber der engagierten Jugend drückten in Grußworten einige Persönlichkeiten der Grünen-Partei aus, die Serhat Yapracki als „unsere Vorbilder“ ankündigte: Landtagsvizepräsident Thomas Gehring appellierte, junge Menschen sollten sich für politische Gremien aufstellen lassen, denn: „Man darf die Politik nicht den Dumpfbacken überlassen.“

Die AfD, die Gehring „rechtsradikal“ nannte, sei kein Übergangsphänomen, darum sei es wichtig, in die Politik zu gehen und „klare Kante“ zu zeigen. Laut Gehring geht es um viel: „Die Frage, wie wird diese Welt in 20, 30 Jahren aussehen, die wird jetzt entschieden.“

Auch Markus Reichart, Bürgermeister von Heimenkirch, erklärte: „Wir brauchen frische Gedanken und junge Leute.“ Er freue sich, dass in einem jahrhundertealten Haus „heute für die Zukunft gearbeitet wird“.

Daniel Pflügl, Sprecher der Grünen in Schwaben, hatte dem neuen Kreisverband ein Megafon als Geschenk mitgebracht – und verknüpfte dies mit einer Einladung. „Wir planen eine Demo gegen industrielle Tierhaltung. Da könnt ihr das Megafon sicher gebrauchen.“

Die Unterstützung des Grünen-Kreisverbands sagte Kreissprecher Alfons Hener den Jugendlichen zu. Er wies darauf hin, dass der Kreisverband im Dezember sein 40-jähriges Bestehen feiere. Seine Ergänzung „Und ich sage mit Stolz, dass ich zu den Gründungsmitgliedern gehöre“, quittierten die jungen Grünen und ihre Gäste mit anerkennendem Beifall.

Die Grüne Jugend Lindau/Westallgäu ist nach Kempten/Oberallgäu der zweite Kreisverband der Grünen Jugend im Allgäu. Auch im Unterallgäu soll demnächst ein solcher entstehen.

Text: „Der Westallgäuer“, 27.09.2019